Ein Regenbogen

verbindet Welten ...

 

Ich fühle mich den Kindern, und ganz besonders den Kindern der NEUEN Zeit, sehr verbunden. Im Laufe meiner Tätigkeit als Tagesmutter entstanden die Geschichten aus dem Regenbogenwald, die mit ihrer bunten und glitzernden Welt, Herzen brühren.

Gerne möchte ich hier einen Teil der ersten Geschichte mit euch teilen:

 

 

Zwickl der Zwerg und die Mondfee

Zwickl der Zwerg stemmt beide Arme  an seine Hüfte.. „Ja, wo gibt’s denn so was“ grummelt er in seinen langen weißen Bart. Vor ihm liegt ein bunter Knäuel Glitzerzeugs.

Vorsichtig stubbst er mit seinem Stiefel dieses Dingsda an. „Hm.. so etwas hab ich ja noch nie gesehen!“ Das Glitzerzeugs bewegt sich nicht. Und das Geräusch das Zwickl der Zwerg nun vernimmt, hört sich ja fast so an als würde jemand schnarchen..

„Hey! Du da! Wer bist du? Und was machst du hier in MEINEM Wald?“ Noch einmal stubbst er sanft mit dem Stiefel das Glitzerdingsda an.

Da! Es beginnt sich doch tatsächlich zu bewegen.

„Huch! Gäääääähhhhn! Sag, warum weckst du mich, kleiner Mann?“

„Kleiner Mann?? Ja, da hört sich doch alles auf“ grummelt Zwickl der Zwerg und macht sich ein Stück größer, indem er sich auf seine Zehen stellt.

„Ich bin Zwickl und ich bin ein Zwerg.. und WAS bist du, wenn man fragen darf?“

Das Glitzerdings schüttelt sich und streckt sich. Erst jetzt bemerkt Zwickl dass es wohl ein Fräulein sein muss. Der Körper ist rundlich und ist eingehüllt in ein violett und silber glitzerndes Kleid. Die Beine scheinen viel zu zierlich, um diesen Körper zu tragen und am Rücken da werden kleine Flügel sichtbar. Das, in allen Farben schimmernde Haar, wurde am Kopf zu einem Kranz aufgesteckt. Ein paar Strähnen hatten sich wohl im Schlaf gelöst und so schauen die Haare etwas wild und zerrupft aus.

„Hm.. so etwas wie DICH habe ich ja noch nie gesehen! Wo kommst du denn her?“ Neugierig und mit einem fragenden Gesichtsausdruck kommt Zwickl der Zwerg näher.

„Guten Morgen erst mal, Herr Zwerg! Wie man mich nennt, willst du wissen? Nun ja, ich bin die MONDFEE und muss irgendwie heute Nacht vom vollen Mond herunter gepurzelt sein. Denn vor meinem Nickerchen war ich noch auf dem Mond und habe die Sterne gezählt. Weißt du, manchmal verstecken sich die frechen Sternlein und es ist meine Aufgabe sie wieder an ihren Platz zu bringen und zu polieren, damit die Menschen auf der Erde in ein Himmelszelt voller Lichter blicken können. Aber wie ich HIER her gekommen bin, also daran kann ich mich nicht mehr erinnern.“

„Sterne polieren.. was es nicht alles gibt“ grummelt Zwickl der Zwerg wieder in seinen langen weißen Bart. „Nun gut! Genug der Zeit vergeudet.. es gibt viel zu tun und ein bisschen Hilfe kann ich immer brauchen. Ein Fest steht uns bevor, denn Tag und Nacht geben sich die Hand und die Früchte des Sommers sind geerntet. Nun wird gefeiert und alle Einwohner des Regenbogenwaldes helfen einander, damit dieses Fest unvergessen in unseren Herzen bleibt, wenn es draußen kalt wird und schneit.“

Puh.. so einen langen Satz hat die Mondfee ja noch nie gehört. Mal sehen, ob sie das noch alles auf die Reihe bekommt. Hm.. ein Fest aller Regenbogenwaldbewohner.. Das klingt schön, denkt die Mondfee und wird schon ganz hibbelig vor Vorfreude. „Wann soll es los gehen Herr Zwerg? Was kann ich helfen? Was soll mein Beitrag sein zum großen Fest?“

Zwickl der Zwerg streicht sich durch seinen Bart. Die anderen Wesen des Waldes sind schon fleißig bei der Sache und jeder trägt und putzt und schmückt die große Lichtung mitten im Wald. Viele Freunde werden eingeladen sein und es gibt Beeren, Pilze, Tauwasser und Wurzelwein.

Ein paar Lichter fehlen noch. Ja, wenn diese Mondfee wirklich Sterne putzt, vielleicht kann sie dann ja einen ganz besonders lieben Stern bitten, ihnen das Festgelände zu erhellen?

„Du, sag mal Mondfee, so heißt du doch? Wird es denn möglich sein, einen glänzend leuchtenden Stern zu unserem Fest mit zu bringen, damit wir im goldenen Schein tanzen und singen können? Denn so etwas hatten wir noch nie.“ sagt Zwickl der Zwerg und schaut sie mit großen durchdringenden Augen an.

„Natürlich kann ich das! Ja, das wird besonders festlich aussehen und ich weiß auch schon welchen Stern ich darum bitten möchte. Nur.. ein kleines Problem gibt es da leider noch zu lösen. Sag mir, lieber Herr Zwickl-Zwerg, wie komm ich wieder hoch zu meinem Mond und den Sternen? Denn, wie ich hier her in diesen Wald gekommen bin, ist mir immer noch nicht eingefallen und der Weg zurück, wo kann der nur sein?“

Nachdenklich zupft Zwickl der Zwerg an seinem linken Ohr und streift sich durch seinen langen Bart. Das macht er immer, wenn er keine Antwort weiß.

Seit er denken kann, hat er diesen Wald nie verlassen. Er ist hier geboren und wird bestimmt auch irgendwann hier zu Mutter Erde zurück kehren, wenn die Zwergenzeit gekommen ist.

Nur, wie diese glitzernd und schillernde Person in SEINEN Wald gekommen ist, tja, das kann er sich nun beim besten Willen nicht vorstellen.  Nach kurzem Überlegen beschließt Zwickl der Zwerg, diese Mondfee mit zu Vater Baum zu nehmen. Vater Baum ist schon ur-ur-ur-ur-ur alt und war schon hier, da waren Zwickls Vorfahren kleine freche Lausbuben, wie Vater Baum gerne erzählt. Wenn jemand eine Lösung finden kann, dann Vater Baum.

„Komm liebe Mondfee, wir besuchen Vater Baum. Er kann uns bestimmt weiter helfen. Wenn jemand eine Lösung für dein Problem findet dann ist es Vater Baum.“ Grummelt Zwickl der Zwerg und nimmt die überraschte Mondfee einfach an der Hand und zischt mit ihr  los!

Flink geht es über Wurzeln, Moos und Wiesen. Die Mondfee ist schon ganz außer Atmen. Wie schnell doch so ein Zwerg laufen kann ohne über seinen langen Bart zu stolpern, wundert sich die Mondfee und kichert vor sich hin. Ein bisschen mulmig ist ihr ja schon bei dem Gedanken, dass sie den ur-ur-ur-ur-ur-ur alten Vater Baum kennen lernen wird......

Alle Rechte dieser Geschichte liegen bei Martina Eberharter.